Was passiert eigentlich mit deiner Probe?
Ein Mundmikrobiom-Test beginnt mit einem einfachen Schritt: Du entnimmst eine Probe aus deinem Mund. Doch bis daraus dein persönlicher Mikrobiom-Bericht entsteht, durchläuft die Probe mehrere präzise Schritte.
Denn wir wollen nicht einfach nur wissen, welche Bakterien in deinem Mund vorkommen. Wir wollen möglichst zuverlässig erfassen, wie dein individuelles orales Mikrobiom zusammengesetzt ist – und daraus wissenschaftlich fundierte Informationen für deine persönliche Gesundheitsstrategie ableiten.
Von der Probe bis zum Ergebnis durchläuft deine Analyse mehrere Stationen: DNA-Extraktion, Aufbereitung, 16S-rRNA-Sequenzierung, bioinformatische Analyse und wissenschaftliche Interpretation.
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Schritt 1: Deine Probe kommt ins Labor
In deiner Mundprobe befinden sich Tausende von Bakterienarten – und damit Millionen von DNA-Molekülen.
Diese DNA ist die Grundlage der Analyse. Im Labor wird zunächst das gesamte genetische Material aus der Probe isoliert. Dieser Vorgang wird als DNA-Extraktion bezeichnet.
Dabei geht es darum, die bakterielle DNA möglichst vollständig aus dem Probenmaterial zu gewinnen und gleichzeitig störende Bestandteile der Probe zu entfernen.
Die DNA-Extraktion findet in unseren eigenen Laboren statt, durchgeführt von Experten, die aus der regulierten Pharmabranche kommen und wissen, worauf es bei Qualität wirklich ankommt. Damit beginnt die eigentliche analytische Pipeline deiner Probe.
Schritt 2: Wir machen den bakteriellen „Fingerabdruck“ sichtbar
Jetzt kommt ein besonders wichtiger Teil der Analyse: die 16S-rRNA-Sequenzierung.
Das 16S-rRNA-Gen ist ein Abschnitt der bakteriellen DNA, der bei allen Bakterien vorkommt. Gleichzeitig enthält es Bereiche, die sich zwischen verschiedenen Bakterien unterscheiden. Genau diese Kombination macht das 16S-rRNA-Gen zu einem etablierten Standard für die taxonomische Untersuchung von Bakteriengemeinschaften [Jau07, Wei19].
Vereinfacht gesagt funktioniert es wie ein genetischer Fingerabdruck:
Wir lesen einen charakteristischen Abschnitt der bakteriellen DNA aus und vergleichen ihn mit Referenzdatenbanken.
So können wir erkennen, welche Bakteriengruppen in deiner Probe vorhanden sind und in welchem relativen Anteil sie vorkommen.
Bei der 16S-Sequenzierung wird ausschließlich die bakterielle DNA in Deiner Probe untersucht. Die humane DNA wird dabei nicht analysiert, sodass keine genetischen Informationen über Dich als Patient erfasst werden. Deine persönlichen genetischen Informationen bleiben somit geschützt.
Schritt 3: Vorbereitung für die Sequenzierung
Bevor die DNA sequenziert werden kann, wird der relevante Abschnitt des 16S-rRNA-Gens gezielt vervielfältigt. Dazu wird eine PCR (Polymerase-Kettenreaktion) eingesetzt.
PCR bedeutet vereinfacht: Bestimmte DNA-Abschnitte werden millionenfach kopiert, damit sie anschließend zuverlässig sequenziert werden können.
Danach wird aus diesen DNA-Fragmenten eine sogenannte Library hergestellt. Eine Library ist vereinfacht gesagt eine für die Sequenziermaschine vorbereitete Sammlung der DNA-Fragmente.
Dabei werden unter anderem technische Sequenzen und individuelle Identifikationsmerkmale, sogenannte Barcodes oder Indizes, hinzugefügt. Sie ermöglichen es, mehrere Proben gemeinsam zu sequenzieren und anschließend bioinformatisch wieder eindeutig voneinander zu unterscheiden.
Schritt 4: Nächste Generation der DNA-Sequenzierung
Jetzt kommt NGS – Next Generation Sequencing – zum Einsatz.
Im Gegensatz zu klassischen Sequenzierverfahren können mit NGS sehr große Mengen an DNA-Sequenzen parallel ausgelesen werden. Dadurch lässt sich die komplexe bakterielle Gemeinschaft einer Mundprobe effizient untersuchen.
Bei unserer Analyse steht dabei die 16S-rRNA-Sequenzierung im Mittelpunkt.
Das Ergebnis ist zunächst kein fertiger Bericht, sondern eine große Menge kurzer DNA-Sequenzen. Erst die anschließende bioinformatische Analyse macht daraus ein verständliches Bild deines Mikrobioms.
Schritt 5: Aus DNA-Sequenzen werden Bakterien
Jetzt beginnt die bioinformatische Auswertung.
Die Sequenzdaten werden zunächst qualitätskontrolliert. Fehlerhafte oder nicht ausreichend zuverlässige Sequenzen werden entfernt bzw. nicht für die weitere Analyse verwendet.
Anschließend werden die verbleibenden Sequenzen mit kuratierten Referenzdatenbanken verglichen. Dadurch können sie bestimmten bakteriellen Gruppen zugeordnet werden.
Je nach Bakterium und Qualität der Sequenz ist dabei eine Zuordnung bis auf Gattungsebene (Genus) und bei einem Teil der Bakterien auch bis auf Artenebene (Spezies) möglich. Die Auflösung ist allerdings nicht für jedes Bakterium gleich gut: Eng verwandte Arten können sehr ähnliche 16S-rRNA-Sequenzen besitzen und sich dadurch nicht immer zuverlässig voneinander unterscheiden [Jau07, Wei19].
Das ist ein wichtiger Punkt: Ein gutes Mikrobiom-Ergebnis bedeutet nicht, jedem einzelnen Bakterium zwanghaft einen Artnamen zu geben. Entscheidend ist, welche taxonomischen Informationen zuverlässig bestimmt werden können.
Schritt 6: Aus einzelnen Bakterien wird dein persönliches Mikrobiomprofil
Aus den einzelnen Sequenzen entsteht nun ein mikrobielles Profil deiner Probe.
Dabei betrachten wir unter anderem, welche Bakteriengruppen vorhanden sind und welchen relativen Anteil sie an der untersuchten Gemeinschaft haben.
Das ist wichtig, denn dein orales Mikrobiom besteht nicht einfach aus „guten“ und „schlechten“ Bakterien. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel der verschiedenen Mikroorganismen.
Deshalb betrachten wir nicht nur einzelne Bakterien isoliert, sondern das gesamte mikrobielle Muster.
Dabei können beispielsweise Bakteriengruppen sichtbar werden, die mit Karies, Parodontitis oder entzündlichen Prozessen in Verbindung gebracht werden. Gleichzeitig können wir erkennen, wie sich dein individuelles mikrobielles Profil zusammensetzt.
Schritt 7: Von den Sequenzdaten zum verständlichen Bericht
Am Ende steht keine Liste aus tausenden DNA-Sequenzen, sondern ein verständlich aufbereiteter Bericht.
Dafür werden die analytischen Ergebnisse mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den jeweiligen Bakteriengruppen verknüpft.
So wird aus einer komplexen Sequenzdatenmenge eine verständliche Übersicht darüber,
- welche Bakterien dein orales Mikrobiom besonders stark prägen,
- welche Bakteriengruppen mit einem gesunden bzw. entzündungsassoziierten oralen Umfeld in Verbindung gebracht werden,
- welche Auffälligkeiten in deinem individuellen Profil erkennbar sind,
- und welche Ansatzpunkte sich daraus für deine persönliche Gesundheitsstrategie ergeben können.
Die Technologie liefert die Daten. Die wissenschaftliche Auswertung macht daraus eine Information, mit der du etwas anfangen kannst.
Warum 16S-rRNA-Sequenzierung?
Die 16S-rRNA-Sequenzierung hat sich in der Mikrobiomforschung etabliert, weil sie eine relativ effiziente und robuste Möglichkeit bietet, bakterielle Gemeinschaften umfassend taxonomisch zu charakterisieren [Jau07, Wei19].
Und genau das ist für eine individuelle Mundmikrobiomanalyse entscheidend:
Wir wollen zunächst wissen, welche Bakterien deinen Mund prägen – und nicht nur nach einzelnen vorher festgelegten Keimen suchen.
Das unterscheidet eine Mikrobiomanalyse von einem klassischen Test, bei dem gezielt nach einem einzelnen Erreger gesucht wird.
Aber was ist mit den Funktionen der Bakterien?
Eine häufige Frage lautet: Wenn wir die Bakterien kennen – wissen wir dann auch, was sie im Mund tun?
Nicht vollständig.
Die 16S-rRNA-Sequenzierung zeigt in erster Linie die taxonomische Zusammensetzung des Mikrobioms. Sie sagt also, welche Bakterien vorhanden sind. Sie zeigt dagegen nicht direkt, welche Gene diese Bakterien tatsächlich besitzen oder welche Stoffwechselprozesse gerade aktiv sind [Lee20, Kum22].
Hier kommt häufig der Begriff Metagenomik ins Spiel. Dabei wird nicht nur ein einzelner Marker wie das 16S-rRNA-Gen untersucht, sondern ein wesentlich größerer Teil des gesamten genetischen Materials einer Probe. Dadurch lassen sich potenziell vorhandene Gene und damit mögliche mikrobielle Funktionen umfassender untersuchen. Aber auch hier gilt eine wichtige Einschränkung: Ein vorhandenes Gen bedeutet noch nicht, dass die entsprechende Funktion im Körper tatsächlich ausgeführt wird. Metagenomik beschreibt vor allem das genetische Potenzial einer mikrobiellen Gemeinschaft. Welche Funktionen tatsächlich aktiv sind, lässt sich erst mit weiterführenden Analysen wie Transkriptomik, Proteomik oder Metabolomik genauer untersuchen.
Für die individuelle Mundmikrobiomanalyse ist die taxonomische Ebene deshalb besonders wertvoll: Viele Bakteriengruppen sind bereits umfangreich charakterisiert, und ihre Häufigkeit bzw. ihr Vorkommen lässt sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Mundgesundheit und Entzündungsprozessen in Beziehung setzen.
Wir müssen also nicht jede einzelne bakterielle Funktion messen, um relevante Unterschiede in deinem oralen Mikrobiom sichtbar zu machen.
Was du wirklich davon hast
Klarheit statt Rätselraten
Du bekommst einen Einblick in die Zusammensetzung deines individuellen Mundmikrobioms und siehst, ob sich in deinem Profil auffällige oder entzündungsassoziierte Muster zeigen.
Zusammenhänge besser verstehen
Du erfährst, welche Bakteriengruppen in deinem Mund besonders stark vertreten sind und mit welchen Themen wie Mundgeruch, Zungenbelag oder Zahnfleischentzündung sie wissenschaftlich in Verbindung gebracht werden.
Ganzheitliche Zusammenhänge verstehen
Das orale Mikrobiom steht über Stoffwechsel, Immunreaktionen und Entzündungsprozesse mit anderen Bereichen des Körpers in Verbindung. Dein Ergebnis kann deshalb zusätzliche Hinweise liefern, wenn du deinen Körper als vernetztes System betrachten möchtest.
Konkrete nächste Schritte
Dein Mundmikrobiom ist so individuell wie du. Deshalb erhältst du auf Basis deines persönlichen Profils individuell zugeschnittene Empfehlungen, die du direkt in deinen Alltag integrieren kannst.
Fortschritt sichtbar machen
Dein erster Test schafft einen Ausgangswert. Bei einer späteren Analyse kannst du sehen, ob und wie sich dein orales Mikrobiom verändert hat – beispielsweise nach einer Veränderung deiner Ernährung, Mundpflege oder einer zahnmedizinischen Behandlung.
Wo die Grenzen liegen
Eine Momentaufnahme, kein endgültiges Urteil
Dein Mundmikrobiom verändert sich ständig – unter anderem durch Ernährung, Mundhygiene, Medikamente und andere Umwelt- und Lebensstilfaktoren. Auch die Bedingungen der Probenahme können das Ergebnis beeinflussen.
Unser Test zeigt deshalb einen aussagekräftigen Ausschnitt deiner aktuellen mikrobiellen Situation, aber keine unveränderliche Eigenschaft.
Wiederholte Messungen über die Zeit können deshalb zusätzliche Informationen liefern, die ein einzelner Test nicht zeigen kann.
Wahrscheinlichkeit statt Gewissheit
Unsere Auswertungen basieren auf wissenschaftlichen Studien, die Zusammenhänge zwischen bestimmten Bakteriengruppen und gesundheitlichen Themen untersuchen.
Diese Zusammenhänge sind statistischer Natur. Sie können Hinweise auf bestimmte Muster oder ein erhöhtes Risiko liefern, stellen aber keine individuelle Vorhersage dar.
Ein auffälliger Wert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass du erkranken wirst. Umgekehrt garantiert ein unauffälliges Ergebnis nicht, dass keine Beschwerden oder Erkrankungen vorliegen.
Komplexes Zusammenspiel statt einzelner Auslöser
Deine Mundgesundheit hängt von vielen Faktoren ab: Genetik, Ernährung, Mundhygiene, Rauchen, Medikamente, Alter, Stoffwechsel, Stress und weiteren Einflüssen.
Ein Mikrobiom-Test kann diese Faktoren nicht vollständig erfassen.
Dein Ergebnis ist deshalb ein wichtiger Baustein im Gesamtbild deiner Gesundheit – aber niemals das vollständige Bild allein.
Eine sich entwickelnde Wissenschaft
Die Erforschung des oralen Mikrobioms ist ein junges und sich schnell entwickelndes Forschungsgebiet. Mit jeder neuen Studie wächst unser Verständnis darüber, welche Bakterien welche Rolle spielen und wie das Mikrobiom mit anderen Bereichen des Körpers zusammenhängt.
Deshalb entwickeln wir auch unsere wissenschaftlichen Auswertungen kontinuierlich weiter und berücksichtigen neue Erkenntnisse, wenn sie für die Interpretation deiner Daten relevant sind.
Lifestyle-Analyse, keine medizinische Diagnostik
Unsere Tests sind als Lifestyle-Analyse konzipiert und stellen keine medizinische Diagnostik bzw. In-vitro-Diagnostik zur Feststellung einer Erkrankung dar.
Bei gesundheitlichen Beschwerden oder wenn dich ein Ergebnis beunruhigt, solltest du immer einen Arzt oder Zahnarzt aufsuchen.
Dein Mikrobiom-Bericht kann ein solches Gespräch sinnvoll ergänzen – aber nicht ersetzen.
Wer früh hinschaut, kann früh handeln.
Mundgesundheit ist mehr als nur Zahngesundheit.
Dein Mund beherbergt ein komplexes mikrobielles Ökosystem, das jeden Tag mit deiner Ernährung, deinem Immunsystem und deiner Umwelt interagiert.
Mit einer modernen Mikrobiomanalyse kannst du einen Teil dieses Systems sichtbar machen.
Nicht als endgültiges Urteil über deine Gesundheit. Sondern als zusätzlichen Datenpunkt, mit dem du deine persönliche Gesundheitsstrategie besser verstehen und im Zeitverlauf verfolgen kannst.
[Joh19] J. S. Johnson et al., „Evaluation of 16S rRNA gene sequencing for species and strain-level microbiome analysis,“ Nature Communications, vol. 10, 5029, Nov. 2019, doi: 10.1038/s41467-019-13036-1.
[Wen22] M. Wensel et al., „Next-generation sequencing: insights to advance clinical investigations of the microbiome,“ Journal of Clinical Investigation, vol. 132, no. 7, Apr. 2022, doi: 10.1172/JCI154944.